Einstellungskriterium: Spülmaschine

Was einen alles am Lernen hindern kann und warum ich nie wieder wissen möchte, wie Teile meines Körpers von innen aussehen.

Weils so schön ist und ich das auf meiner Liste der Dinge, die man nicht un sollte, noch nicht abgehakt hatte, war ich in der Greifswalder Notaufnahme. Als Patient. Also, ich war dort schonmal, aber nur als Begleitung zur moralischen Unterstützung. Ja, diesmal war ich dort als Patient.

Ging folgendermaßen das Ganze:

Also, Samstag war die Klausur. Ich die ganze Woche am Lernen, immerhin wars Mathe. Gut. Donnerstag abend, ich lern grad und krieg halt auch irgendwann Hunger. Also ab in die Küche. Vorm Essen machen, musste noch eben abgewaschen werden. Gut, die 5 Minuten halt ich auch noch aus. Ja. Bis zum Essen sollten dann mal eben noch 3-4 Stunden vergehen. Der Grund: Hexe war blöd genug beim Aufwaschen ein Glas zu zerbrechen und sich dann mit der entstandenen Ecke im Glas in den rechten Zeigefinegr zu schneiden. Richtig. Nicht nur so bisschen. Richtig richtig.

Es tat nicht mal weh, also das Schneiden. Ich war nur erschrocken, weil das Glas kaputt war. Heb so die Hand ausm Wasser um zu gucken, ob ich mich getroffen hab udn siehe da. Hab ich.

Erster Gedanke: Oh shit!

Zweiter Gedanke: Da reicht bestimmt kein normales Pflaster.

Dritter Gedanke: Ich muss mich setzen…. (bzw. legen, es wurde dann etwas schwummrig alles.)

Es sah nicht schön aus. Und ich weiß jetzt, wie mein Finger so von innen aussieht. Etwas, das ich eigentlich nicht erfahren wollte. So, was mach ich jetzt? ich rufe erstmal bei einer Freundin an. Die hat ein Auto und kennt sich in der Notaufnahme aus. Okay. Die ist dummerwesie genau an dem Abend nicht da. Mist.

Langsam bekomm ich Panik. Es fängt nämlich auch an zu bluten wie blöd. Okay. Bei meiner Mitbewohnerin geklopft und eigentlich wollt ich nur sagen, ob sie mir helfen können. Wie, wusste ich da auch nicht. Aber es erschien mir günstig mal jemandem bescheid zu sagen.

Sie hatte gerade Besuch und die beiden Mädels haben so fix reagiert, so schnell konnt ich gar nicht gucken.

Bei der 112 angerufen. Die meinten, Druckverband und dann in die Notaufnahme, für Finger schicke man keinen Krankenwagen. Also Druckverband und dann haben mich die beiden noch ins Krankenhaus begleitet und sogar die ganzen 3 Stunden da gewartet. Richtig lieb. 🙁

Im Krankenhaus guckte da ne Ärtzin drauf, fragt, wie das passiert ist. Erzählte mir dann noch fröhlich von einem Patienten vom Vortag. Der hätte in die Kreissäge gefasst. TMI! Sie machte dann den „Nerventest“, also ob ich noch Gefühl im Finger hätte udn schikcte mich dann zum Röntgen, ob der Knochen unversehrt ist oder der Schnitt bis dorthin ging. Zwischendurch durfte ich immer ne gefühlte Ewigkeit warten. Man beachte, ich saß z.B. beim Röntgen mit nem total vollgebluteten dünnen Verband. Aber sind ja Ärzte, die werden das schon wissen… Das war übrigens auch der Punkt, als es dann angefangen hat so richtig wehzutun.

Nach dem Röntgen gings zurück zur Ärztin, die eben feststellte, der Knochen ist okay. „Dann nähen wir das. Gehen Sie mal gegenüber in den OP.“ Ja, OP. So richtig mit hinlegen. „Für nen Finger?“ dachte ich noch so.

Es war besser so.

Sie erklärte mir dann, was sie jetzt machen würden. Also, erst reinigen, was angeblich nicht wehtäte. Tat es trotzdem. Aber die goss auch mit ner Flasche was auch immer über die Wunde. Aber das war alles noch nichts gegen das, was dann kommen sollte. Eine Spritze in den Finger. Der würde dann für die nächsten 7 Stunden taub werden. Also auch fürs Nähen. Und sie meinte noch, die Spritze würde sehr sehr wehtun.

Sie hatte recht.

Spritze in den Finger, wenn die Kanüle bis zum Knochen runtergeht und die ganze Ampulle voll Betäubung in den finger gegeben wird, tut weh. Und zwar saumäßig. Ich hab mir auf den Zeigefinger der anderen Hand gebissen. Ich hab geheult und glaub sogar geschrien. Der Medizinstudent da hat mir dann ein Tuch gereicht, zum Vollheulen. Es war auch nicht beruhigend, dass die Ärztin meinte, im Fuß täte sowas noch mehr weh.

Das Zeug musste dann erstmal wirken und ich hab mich mit dem Studenten unterhalten. Als der Finger dann taub und aufgepumpt war, würde dann genäht. Erst der Student, der mich noch beruhigte, dass er das nicht zum ersten Mal machen würde. Aber mein Schnitt war wohl so doof, dass es dann doch die Ärztin gemacht hat. Ich hätte auch mal schöner schneiden könne, sagte sie. Ich darauf: „Ich bin leider nur BWL-Student, nicht Medizin.“

Am Ende gabs dann noch den Bericht für den Hausarzt am nächsten Tag, die Rechnung über die 10€-Gebühr und 2 Schmerztabletten. die hab ich auch gebraucht. Die Betäubung hielt nämlich nicht 7 Stunden, sondern war so gegen 11 nachts dann auch schon weg. Und sowas tut höllisch weh, so’ne Fleischwunde. Ja.

Der Besuch beim Hausarzt am nächsten Tag brachte dann mit sich, dass ich die Klausur am Samstag nicht schreiben durfte. Die Wunde könne wieder anfangen mit bluten, was nicht so optimal wäre.

Die Woche drauf standen dann noch Kontrollen an für die Wunde und Verbandswechsel. Am 16. sollten die Fäden raus, was auch nochmal schön war. Die waren etwas verkrustet und gingen entsprechend schwer raus. Seit dem Freitag davor hatte ich übrigens auch nur noch ein großes Pflaster.

Blöd: Ich konnte die Zeit mit dick eingepacktem Finger kaum was machen. An schreiben war nicht zu denken, stricken ging auch nicht. Hmpf. Und lernen für die Klausi am 19. entsprechend auch nur halbherzig. Ich bin ein aufschreibender Typ beim Lernen. Sonst wird das nicht wirklich was. 🙁 So eine Fleischwunde mit Naht scheint auch länger zu wirken, ich konnte auch 2 Wochen nach dem Unfall noch nicht wirklich schreiben. Der Finger verkrampfte immer. Also gabs noch ne Befreiung von der Klausi am 19.

Blöd gelaufen das alles, aber naja. Jetzt kenne ich die Notaufnahme. Und hab ne Kriegsnarbe zum Vorzeigen. Und eine Begründung, warum mein zukünftiger Mann eine Spülmaschine haben sollte. 😀

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